#23 „SPORT UND TOD”

Liebe Leserinnen und Leser,
sagen wir mal so: Die Beziehung zwischen dem Sport und mir ist schwierig. Dabei würde ich mich gar nicht mal als gänzlich unsportlich bezeichnen. Als Kind war ich sogar ziemlich quirlig. Ich wuchs in unmittelbarer Waldnähe auf, war ständig draußen, ständig in Bewegung. Die 10.000 Schritte, die ich heute krampfhaft per App zu erreichen versuche, habe ich damals um ein Vielfaches übertroffen. Dieses „Training“ bescherte mir im Sportunterricht den Ruf als respektabler Langstreckenläufer.
Für den „kommerziellen“ Sport, der damals im Fernsehnen lief – also vor allem Fußball –, interessierte ich mich nicht. Das beliebte Tauschen von Panini-Bildern auf dem Schulhof war mir suspekt. Das änderte sich erst, als mich mein großer Bruder mit auf die „Bielefelder Alm“ nahm, der Sportstätte von Arminia Bielefeld. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mein Herz an den besagten Club verloren, was mir in Zukunft noch viel Seelenschmerz bescheren sollte. Darüber hinaus bekniete ich meine Eltern, mich im Fußballverein in der Nachbarschaft anzumelden. Aufgrund meiner läuferischen Fähigkeiten sah ich eine goldene Zukunft als defensiver Mittelfeldspieler – heute sagt man „Sechser“ – auf mich zukommen.
Dann musste ich allerdings bereits im zarten Alter von zehn Jahren die Erfahrung machen, dass manchmal einfach das Leben dazwischenkommt. Ich wurde krank, mit zwei Operationen und anschließender Nachbehandlung verging ein gutes Jahr. Das Leid, das ich in dieser Zeit in diversen Krankenhäusern sehen und erleben musste, bestärkten mich in meinen fußballerischen Ambitionen. Jedoch taten meine Eltern das, was Eltern nun mal aus Sorge um ihr Kind tun: Sie packten mich in Watte. Mit Blick auf meine beachtliche Narbe am Kopf sagten sie: „Junge, das ist viel zu gefährlich.“ In dieser Nische richtete ich mich in den Folgejahren ein und legte den Grundstein für meine heutige Figur.
Vor diesem Hintergrund war ich skeptisch, als wir uns in der Redaktion für das Thema „Sport und Tod“ entschieden haben. So erging es auch einigen unserer Stammautorinnen, einige waren sogar ziemlich „abgeturnt“ (Zitat: Barbara Rolf). Umso überraschter bin ich angesichts der Vielfalt der eingereichten Beiträge. Ich habe, wie bei jeder neuen Ausgabe dieses Magazins, unheimlich viel gelernt – vor allem über Sportarten, die nicht unbedingt im Fokus des öffentlichen Interesses stehen.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und ein ebenso lehrreiches Erlebnis!
Herzlich,
Frank Pasic, Herausgeber
Dieser Beitrag wurde erstveröffentlicht im drunter+drüber-Printmagazin #23 „Sport und Tod“.
Über den Autor: Frank Pasic, Jahrgang 1971, ist von Hause aus Jurist, ist dann aber über einen Umweg ins Krematorium gekommen – wo es ihm wider Erwarten gefallen hat. Er ist (Mit-)Gründer der FUNUS Stiftung, die sich für einen offenen Umgang mit dem Tod, der Trauer sowie der Kultur des Bestattens und des Abschiednehmens einsetzt.
Alle Beiträge von Frank Pasic gibt es hier.
Autorenfoto linke Seite: privat
